Franz Kasper - Info (The Grasshopper And Me - Album)

FRANZ KASPER
THE GRASSHOPPER AND ME


Eines der ersten Statements zum neuen Album von FRANZ KASPER erreichte uns von VISIONS-Redakteur André Boße: "Das klingt doch alles sehr lebendig!" - ein ganz bemerkenswertes Kompliment für Franz, seine Musiker und das Produktionsteam ARTHUR RECORDINGS. Denn ganz anders als die beiden live im Studio mit den VIOLIN VIOLENCE-Musikern eingespielten Vorgängeralben THE NEW ROCKIN' CHAIR und DON'T FORGET TO SAY NO, BABY ist Franz' viertes Album (in knapp vier Jahren!) THE GRASSHOPPER AND ME eine bis in kleinste Sounddetails liebevoll und hoch verdichtete Produktion.
Dass die Aufnahmen des Albums, die locker verteilt über einen Zeitraum von fast einem halben Jahr, ohne deadlines und Budget-Beschränkungen (es gibt kein Budget! - das ist sie nämlich, die Indiehölle), als Homerecording mit altgedientem ("vintage") Equipment ent-standen sind, in Räumen, die auch in der Großstadt noch echte Naturerfahrungen (winterliche Eiseskälte zu Beginn und sommerliche Hitze zum Ende der Produktion) zulassen, trotzdem lebendig, spontan und leichtfüßig daherkommen, ist schlicht die Ausnahme von der Regel, eigentlich schon ein musikalisches Wunder, und zeugt vom Talent und vom Charisma des Hauptakteurs: FRANZ KASPER - Sänger, Songschreiber, Musiker.
In ersten Rezensionen wird von der Musikkritik übereinstimmend hervorgehoben, dass das neue Album eine "hochemotionale Affäre" ist, dass der Produktion "jegliche LoFi-Attitüde abgeht" ("alles klingt sauber...THE GRASSHOPPER AND ME ist ein gutes Album" SPEX), dass Musik und Liedtexte sich durch "seltsame Tiefe und Verspieltheit" auszeichnen.
Tatsächlich folgte die Produktion dieses Albums keinerlei Kalkül - "das alles ist einfach passiert". Die neuen Songs sind Franz "nur so zugeflogen" und sie haben mit nichts anderem zu tun als mit gelebtem Leben und den politischen Geschehnissen unserer Tage.
Alle Songs sind erst in der Aufnahmephase des Albums entstanden und wurden unmittelbar nach ihrer "Kreation" gesungen, gespielt, aufgenommen - "dann mussten wir nur der Idee eines Songs folgen, herausfinden, was er verlangt, und tun, was nötig ist", erklärt Franz.
So hat sich ganz absichtslos ergeben, dass Franz bei den allermeisten Songs auch alle Instrumente selbst gespielt hat - jedesmal zu warten bis ihm die anerkannt herausragenden Musiker seiner Band für eine Aufnahme zur Verfügung stehen, hätte sich nicht vertragen mit seinem Gefühl für die Spontaneität des musikalischen Geschehens und eine zunehmende Lust, nur noch den Zufällen zu folgen, nichts zu be- und zerreden und sich ganz schlicht von dem überraschen zu lassen, was passiert.
So hat Franz ganz zuletzt den John Lennon-Song NOBODY TOLD ME aufgenommen - von der Idee, den Song zu covern, bis zur Aufnahme verging kein Tag! Und Lennons in vielerlei Hinsicht prophetischer Text sagt auch einiges über die Entstehungsweise und den Charakter des Albums: "Nobody told me there´d be days like these"....oder ein Album wie dies.
Für alle Beteiligten war die Arbeit an THE GRASSHOPPER AND ME (einschließlich seiner wundersamen Verpackung) "beflügelt von einem permanenten Gefühl des Gelingens. Es gibt keine Outtakes, nichts musste verworfen werden! Es ging immer nur nach vorne, wie in einem Sog - wir hatten keine Entscheidungen zu revidieren und haben nie zurückgeschaut", erinnert Producer JAMES ARTHUR die Produktion, die "wie in einem Rausch ('out of our minds') und getragen von einem Gefühl, immer das Richtige zu tun" vorüberging.
Bei aller Abgeklärtheit, Kraft und Eleganz, die man sich für das Klangbild des Albums wünschte und auch erreicht hat, haben sich Franz und seine Musiker die Freiheit bewahrt, ihre ungewöhnlichen musikalischen Eingebungen, Arrangements und Spielweisen nicht gewöhnlich zu machen.
Mit Erfolg hat sich Franz schon auf seiner ersten Platte THE FREEWHEELING fern des Gewöhnlichen bewegt. Manche mögen ihn irritierend, die Musik sogar als experimentell empfinden. Doch gerade in den irritativen Momenten seiner Musik, dort wo sich erst der Eindruck von Unverwechselbarkeit einstellt, hat er von Beginn an eine neugierige und überraschungsoffene Gefolgschaft begeistern können.
Wer seine musikalische Entwicklung aufmerksam verfolgt hat, darf sich nun auf THE GRASSHOPPER AND ME freuen - mit einer superben Songkollektion und einer ebenso umwerfenden Performance als Sänger und Musiker erleben wir ihn, mit Verve und Entschlossenheit auf die imaginäre Zielgerade einbiegend, immer noch erratisch, sogar jungenhaft verspielt daherkommend, aber auch seiner Verpflichtung bewusst, die eigenen Talente zu höchster Reife zu entwickeln.
Auch zum Glück von FRANZ KASPER erleben wir in der Musik eine Zeit allergrößter Toleranz und nie dagewesener Aufgeschlossenheit gegenüber allem Neuen und dem nicht mehr fassbaren Talent. Viele neue Künstler, oft auf dem Ticket des so genannten Indierock, erfreuen sich größter und verdienter Medienaufmerksamkeit.
Wie seine Einladung zum renommierten Haldern Pop Festival im August dieses Jahres andeutet, wird neuerdings auch FRANZ KASPER in solchen Referenzzusammenhängen wahrgenommen. Und unter all den bejubelten Neuentdeckungen unserer Zeit wird er zunehmend gehört und gesehen als künstlerisches Original - anerkannt als ein Aktivist dieser weltweit zu spürenden, noch richtungslosen musikalischen Aufbruchstimmung.
(wb 09/2005)
FRANZ KASPER On Stage :
Andreas Berg: drums | Kees van Zomeren: double bass, electric bass | Radek Stawarz: violin
Anselm Weyer: trumpet, harmonica, keyboards, guitar | Franz Kasper: vocals, piano, guitar, mandolin

FRANZ KASPER
THE GRASSHOPPER AND ME
DAY-GLO DG CD111
Im Vertrieb von PIAS / Rough Trade 613.0111.20
Veröffentlichung: 30. September 2005



 

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