Diskret
kritisch. Unaufdringlich klug, schreibt die Süddeutsche
Zeitung bezogen auf das aktuelle Album Tief drinnen
weit draußen von Kajak. Die Hamburger
Band um Matthias Rothaug, die schon mit ihrem Erstling
Haus der Jugend die Pop-Welt aufhorchen ließ,
geht nun über diesen hinaus. In neuer Besetzung (als klassisches
Trio: Schlagzeug, Bass, Gitarre) trifft das Gitarrenwissen aus
20 Jahren Indie-Geschichte auf ein absolut umwerfendes Gespür
für raumgreifende Melodien.
Rothaugs Texte fordern das Recht zum Neinsagen, doch seine Musik
kommt so catchy daher, dass man fortwährend nicken möchte.
Kajak ist eine Palindrom gewordene Ohrwurmmaschine; man
kann es drehen und wenden, wie man will: Kajak verschickt
vielschichtigen, mitreißenden Pop von St. Pauli
aus in die Welt.
Die Songs streben nach Zeitlosigkeit und Perfektion. Während
Rothaug sie als funkelnde Miniaturen am Dach der Erde verteilt,
erscheinen am Horizont die Umrisse der Alten Meister: Bob Moulds
Sphärenharmonie, Sonic Youths Gespür für menschen-freundlichen
Krach, die klügeren Köpfe deutschsprachiger Musik
in den 90er Jahren ...
Doch immer wieder zieht es uns in den ureigenen Kajak-Kosmos
zurück, der bei aller Anlehnung an Bewährtes seine
speziellen Gesetzmäßigkeiten besitzt. Und wer Rothaug
da reinreden will, bekommt ein souverän gereiztes Versau
mir nicht den Tag, indem du sagst, was ich zu denken hab
mit auf den Weg. Kajak ist ein großer (Ent-)Wurf,
der alle teilhaben lässt, doch für Vereinnahmungen
jeglicher Art nicht zur
Verfügung steht.
Matthias Rothaug hat Tief drinnen - weit draußen
fast im Alleingang eingespielt und aufgenommen. Tobias Levin
besorgte im Electric Avenue Studio die Abmischung. Vor Kajak
wirkte Rothaug an zahlreichen Bandprojekten mit, darunter Tex
Fury & The Silver Spurs, Die Braut haut ins Auge
und Fink. Neu dabei ab 2006 sind Sandra Zettpunkt
am Schlagzeug (vorher 5 freunde, Camping, Incredible Sinalco
Bums) und Jens Fischer (vorher Daisy Chain, Porno Pop
und Lust).