Thimo Sander


Manche Menschen treten in unser Leben – und wir merken es gar nicht. Bis sich der heimliche Begleiter dann offenbart. Thimo Sander ist uns schon begegnet, in der Filmmusik von „Väter“ von Dani Levi, „Im Juli“ von Fatih Akin und „Fickende Fische“ von Almut Getto. Er hat mit Künstlern wie „Susi Van Der Meer“, den „Lemonbabies“, „Camera“ und „Poems For Laila“ zusammengearbeitet, Remixe gemacht und war als Tourgitarrist unterwegs. 1996 ist Thimo von Friesland nach Berlin gezogen und hat sich in der dortigen Musikszene und darüber hinaus verdient und unentbehrlich gemacht.

Die EP „Kopfverdreht“ gab im September letzten Jahres einen kleinen Vorgeschmack auf Thimo Sanders eigene Musik, die – nicht für andere Künstler oder Filme geschrieben – einfach nur mit Thimo Sander zu tun hat und dabei stellvertretend für das emotionale Chaos einer modernen Gesellschaft steht. Gitarren im Singer/Songwriter-Stil, teilweise berührt von elektronischen Elementen, stellen die Lieder auf „Eine Hand Immer“ zwischen musikalischer Tradition und Moderne. Ein Spagat, passend zu den Texten, die zeitlose Gefühle in einer kurzlebigen Zeit reflektieren.

Die Welt von Thimo Sander ist irgendwo zwischen „mittendrin in der pulsierenden Großstadt“ und „allein und in die eigenen Gedanken zurückgezogen“ zu finden. „Eine Hand Immer“ ist der kryptische Titel, der jede Frage, die er stellt unbeantwortet lässt. „Ich bin hier, du bist dort. Wir sind nirgendwo zu Hause“, nimmt Thimo in „Nirgendwo“ seine Texte aus den Lebensläufen dieser Generation, die aus Angst vor ihrer modernen Flexibilität ihren Platz in der Gesellschaft sucht, ohne die Freiheit aufgeben zu wollen. „Wir bewegen uns im Kreis und niemand weiß, wohin“, ist letzten Endes die Richtung des Weges. „Es macht euch Sorgen, aber ich komm damit schon klar“. Trotzdem, die Sonne scheint. Und das in allen Variationen. Sie „scheint sich um uns zu drehen“, sie „scheint niemals auszugehen“. Das sind die lichten Momente in der Großstadt, wenn sich der Sommer bemerkbar macht und das Leben sich in den Straßencafés und Parkanlagen verdichtet. Der Hit der EP „Kopfverdreht“ ist in einer überarbeiteten Version auch auf dem Album dabei. Weil ein richtig schönes Liebeslied eben nicht fehlen darf und die Feststellung „du hast mir den Kopf verdreht“ so simpel wie zeitlos beschreibt, was Liebe ist.

Thimo fängt aus der Herde der Emotionen die schönsten und stärksten heraus. Er jagt sie mit dem Schlagzeug vor sich her, umkreist sie mit harmonischen Gitarrenriffs und bindet sie mit klarer Stimme fest. Angelockt mit Worten und beruhigt mit elektronischen Klangelementen, die über den Liedern schweben, bleiben sie gerne eine Weile und lassen sich sogar mal streicheln. Zwei ‚Hidden Tracks‘ am Ende des Albums lassen „Eine Hand immer“ langsam ausklingen, lachend winken spielerisch zusammengefrickelte Elektroplänkeleien, gerade so, als wolle sich Thimo noch einmal umdrehen und zum Abschied winken.

 

 

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